Irene König

Heute verbreitet sich immer mehr die Überzeugung: Niemand schuldet niemandem
etwas.
Im Namen der Freiheit wird Verantwortung zunehmend ausgeblendet. Wir haben
uns daran gewöhnt zu sagen, dass andere uns etwas schulden: die Eltern, die
Familie, die Lehrer, die Ärzte, der Staat. Sie sollen unterstützen, lehren, helfen,
absichern.
Doch eine einfache Frage stellen wir uns seltener:
Was tragen wir selbst bei?
Immer häufiger hört man, dass man vom Menschen nichts verlangen dürfe —
weder Lernen noch Disziplin noch Verantwortung. Man solle jeden einfach so
akzeptieren, wie er ist.
Doch Entwicklung ohne Erwartungen ist nicht möglich.
Freiheit ohne Verantwortung bleibt leer.
Am Ende wird Verantwortung auf andere verschoben: auf Eltern, Schule oder
Staat. Aber echte Veränderung beginnt bei jedem Einzelnen.
Pflicht ist kein Zwang.
Pflicht ist Verantwortung.
Sie bedeutet, den eigenen Beitrag zu leisten:
im Beruf — durch Engagement,
in der Familie — durch Fürsorge,
in Beziehungen — durch Dankbarkeit,
im Leben — durch Haltung und Ehrlichkeit.
Sie bedeutet auch Verantwortung gegenüber dem eigenen Land und den eigenen
Wurzeln —
gegenüber dem Schöpfer und gegenüber der Gesellschaft.
Unsere wichtigste Aufgabe ist es, Mensch zu sein —
und Mensch zu bleiben.


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